Wale gucken? In der Tat: Einen Abend mit den Musikern der isländisch-internationalen Bedroom Community zu verbringen, ist wie ein langer meditativer Blick in ein riesiges Aquarium. Die Wale, die hier schwimmen, sind angriffslustig, hungrig, experimentierfreudig. Virtuos verdauen sie das Plankton der Musikgeschichte und scheiden apokalyptische Kunstlieder und Toccaten aus. Der isländische Produzent Valgeir Sigurøsson gründete das Musik-Kollektiv 2006. Von Anfang an war es nicht nur Plattenlabel, sondern auch Hauptquartier einer neuen Musikauffassung. Da ist der an der Minimal Music geschulte, Neoklassik-Sound des Pianisten, Komponisten und Arrangeurs Nico Muhly aus New York. Da sind die zwischen zart gewebt und brachial hin und her schwelenden Instrumentalstücke des Australiers Ben Frost, der experimentelle American Folk von Sam Amidon und nicht zuletzt Sigurøssons eigene Musik, elektroakustische Songskulpturen voller zartem Pathos. Eine einfache und berückende Idee, diese vier jungen Männer ihr Werke auf einen Haufen werfen zu lassen, auf dass sie diese gemeinsam mit ihrem Ensemble live interpretieren. Und was für ein Ensemble! Ein Kammerorchester aus acht Musikerinnen und Musikern, die spielen wie die Götter, und doch mit einer Attitüde, die mehr an Punkkommune erinnert als an Konservatorium. Der musikalische Geheimtipp des Festivals! FOTO(c)Bjarni Grímsson